Die meisten Menschen hatten noch nie von Leonid Radvinsky gehört. Und ehrlich gesagt war genau das sein Ziel.
Der 43-jährige Milliardär, dem OnlyFans gehörte — eine Plattform, die von über 300 Millionen Menschen weltweit genutzt wird — starb nach dem, was das Unternehmen als „langen Kampf gegen den Krebs" beschrieb. In der Erklärung von OnlyFans hieß es, Leo sei „friedlich eingeschlafen" — mehr erfuhr die Öffentlichkeit nicht. Kein langer Nachruf. Keine Pressekonferenz. Das passte auf eine gewisse Weise zu einem Mann, der jahrelang das Rampenlicht gemieden hatte, während seine Schöpfung ganze Industrien umgestaltete.
Was viele Menschen überraschte, als sie zum ersten Mal von Radvinsky erfuhren: Er war nicht derjenige, der OnlyFans gegründet hatte. Die Plattform wurde ursprünglich 2016 von einem britischen Unternehmer namens Tim Stokely ins Leben gerufen. Es war ein bescheidenes Unterfangen — eine abonnementbasierte Website, auf der Creator ihren Fans exklusive Inhalte gegen Bezahlung anbieten konnten. Hauptsächlich Fitnesscoaches und Musiker. Der Schwerpunkt auf Erwachseneninhalte war ursprünglich nicht das Konzept.
“Was viele Menschen überraschte, als sie zum ersten Mal von Radvinsky erfuhren: Er war nicht derjenige, der OnlyFans gegründet hatte.”
Radvinsky kam 2018 ins Spiel und erwarb einen 75-Prozent-Anteil an Fenix International, dem in London ansässigen Mutterkonzern hinter OnlyFans. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits tiefe Wurzeln im Erwachseneninternetgeschäft. Er hatte 2004 MyFreeCams gegründet, eine der größten Cam-Sites der Welt. Davor — und dieser Teil lässt oft die Augenbrauen hochschnellen — betrieb er in den frühen 2000er Jahren eine Reihe von Websites, die sogenannte „gehackte" Passwörter für Erwachsenenseiten verkauften. Eine davon, Ultra Passwords, soll angeblich 1,8 Millionen Dollar pro Jahr eingenommen haben.
Wichtige Erkenntnisse
- →OnlyFans: Leonid Radvinsky died at age 43 after a long battle with cancer.
- →Leonid Radvinsky: Leonid Radvinsky died at age 43 after a long battle with cancer.
- →Obituary: Leonid Radvinsky died at age 43 after a long battle with cancer.
- →Tech Billionaire: Leonid Radvinsky died at age 43 after a long battle with cancer.
Als er OnlyFans übernahm, verstand Radvinsky die Mechanismen des Erwachseneninternetgeschäfts besser als fast jeder andere auf der Welt.
Was dann folgte, war explosives Wachstum. Unter seiner Eigentümerschaft wurde OnlyFans zur prägenden Plattform der Creator Economy — zumindest des Teils, den das traditionelle Silicon Valley nicht anfassen wollte. Die Zahlen sprechen für sich: Die Einnahmen überstiegen jährlich eine Milliarde Dollar, die Creator verdienten gemeinsam mehrere Milliarden mehr, und das Provisionsmodell der Plattform — ein Anteil von 20 Prozent auf alles — machte Radvinsky unvorstellbar reich. Forbes schätzte sein Nettovermögen auf rund 4,7 Milliarden Dollar.
Advertisement
Doch das Wachstum war von Kontroversen begleitet. Im Jahr 2021 kündigte die Plattform kurzzeitig an, sexuell explizite Inhalte zu verbieten — angeblich auf Druck von Bankpartnern und Zahlungsabwicklern. Der Aufschrei war unmittelbar und heftig. Creator, die ihren gesamten Lebensunterhalt auf der Plattform aufgebaut hatten, fühlten sich überrumpelt. OnlyFans machte die Entscheidung innerhalb einer Woche rückgängig, aber der Vorfall legte schonungslos offen, wie prekär das Verhältnis zwischen Erwachseneninhalten und der etablierten Finanzinfrastruktur wirklich war.
Radvinsky selbst schwieg während all dem nahezu vollständig. Er gab keine Interviews. Er machte keine öffentlichen Aussagen. Er hatte weder einen Twitter-Account noch ein LinkedIn-Profil. Die wenigen im Umlauf gebrachten Fotografien waren Jahre alt. Für einen Mann, der an der Spitze einer der kulturell bedeutendsten Tech-Plattformen des Jahrzehnts saß, war er schlicht unsichtbar.
Radvinsky wurde in Odessa, Ukraine, geboren und wanderte als Kind mit seiner Familie nach Chicago aus. Er schloss sein Studium an der Northwestern University im Jahr 2002 mit einem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften summa cum laude ab. Zu diesem Zeitpunkt baute er bereits seit Jahren Websites — sein erstes Unternehmen, Cybertania Inc., wurde gegründet, als er 17 Jahre alt war. Als Teenager brachte er sich selbst das Programmieren in BASIC bei, mithilfe der Computerausstattung seines Großvaters. Er gründete Unternehmen, bevor er wahlberechtigt war.
Im Jahr 2009 gründete er einen Risikokapitalfonds namens Leo, der sich auf Technologieinvestitionen konzentrierte. Doch das eigentliche Geld, das eigentliche Vermächtnis, war immer OnlyFans.
Sein Tod wirft genuinen komplizierte Fragen darüber auf, was als Nächstes passiert. Im Januar berichtete Reuters, dass OnlyFans einen Verkauf geprüft hatte — konkret einen möglichen Deal mit Architect Capital, bei dem das Unternehmen einschließlich Schulden mit rund 5,5 Milliarden Dollar bewertet worden wäre. Mit Radvinskys Tod — und seinen Anteilen, die seit 2024 im sogenannten LR Fenix Trust gehalten werden — betritt die Eigentümerstruktur Neuland.
Advertisement
Es gibt auch größere Fragen zur Creator Economy selbst. OnlyFans gab Erwachsenenunterhaltungsdarstellern nicht nur eine neue Möglichkeit, Geld zu verdienen. Es veränderte das gesamte Machtgefüge zwischen Creatorn und Plattformen. Die Idee, dass Einzelpersonen ihr eigenes Publikum direkt monetarisieren können, ohne dass Studios oder Mittelsmänner den Löwenanteil einstreichen — das war wirklich transformativ, unabhängig davon, was man von den Inhalten selbst hält.
Radvinsky erkannte das, bevor es die meisten anderen taten. Er setzte mit seinem eigenen Geld darauf und behielt spektakulär recht.
Der Mann, der die Pornoindustrie veränderte — und der wohl auch die Ökonomie der Online-Kreation insgesamt neu definierte — ist mit 43 Jahren gegangen. Die Debatten darüber, was er aufgebaut hat und was es bedeutet, haben gerade erst begonnen.
Continue reading to see the full article